Jan. 13, 6:25 AM

Die Schweiz plant landesweite Olympische Winterspiele für 2038

Dezentrales Konzept könnte die Alpenrepublik zum ersten Land – und nicht zur ersten Stadt – machen, das die Spiele austrägt

Four Norwegian alpine skiers celebrate together, embracing and smiling at the PyeongChang 2018 Olympics.

Die Schweiz bereitet eine ehrgeizige Bewerbung vor, um die Olympischen Winterspiele 2038 ins Land zurückzuholen, fast 90 Jahre nachdem sie das Ereignis zuletzt ausrichtete. Nach den Plänen des Vereins Schweiz 2038 würden die Spiele in fast der gesamten Schweiz stattfinden, was eine historische Abkehr vom traditionellen, stadtbasierten Modell darstellt.

Bei Erfolg wäre die Schweiz die erste Nation, die die Winterspiele landesweit ausrichtet, mit Wettkämpfen, die über mehrere Regionen und Sprachräume verteilt sind. Der Vorschlag umfasst auch die Paralympischen Winterspiele.

Ein landesweites Olympisches Konzept

Nach Angaben der Organisatoren sind zehn Kantone und 14 Gemeinden direkt am Projekt beteiligt. Das Konzept stützt sich primär auf bestehende, erstklassige Sportanlagen und vermeidet somit umfangreiche Neubauten – eine wichtige Lehre aus früheren Olympia-Bewerbungen, die aufgrund von Kostenbedenken scheiterten.

Das Projekt wurde im November 2023 von nationalen Wintersportverbänden zusammen mit Swiss Olympic und Swiss Paralympic ins Leben gerufen. Seitdem befindet sich die Schweiz in einem sogenannten «privilegierten Dialog» mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), der es dem Land ermöglicht, seine Bewerbung exklusiv bis Ende 2027 zu entwickeln.

Von Genf bis St. Moritz

Rund 120 Wettkämpfe in mehr als einem Dutzend Disziplinen sind geplant. Zu den vorgeschlagenen Austragungsorten gehören Genf, Lausanne, Bern, Zürich, Zug, Lugano, Engelberg, Crans-Montana, Lenzerheide und St. Moritz. Bern soll sowohl die Eröffnungs- als auch die Schlussfeier ausrichten, wodurch die Hauptstadt symbolisch ins Zentrum des landesweiten Ereignisses gerückt wird.

Die geografische Verteilung soll die föderale Struktur der Schweiz widerspiegeln und den Druck auf eine einzelne Stadt oder Region verringern. Die Organisatoren argumentieren, dass dieser Ansatz den modernen Erwartungen an Nachhaltigkeit, regionale Inklusion und langfristiges Erbe entspricht.

Finanzierung und Zeitplan

Das Gesamtbudget für das Projekt – das den Zeitraum von der Vergabe der Spiele bis 2038 abdeckt – wird auf 2,2 Milliarden Schweizer Franken geschätzt. Bemerkenswerterweise werden 82 Prozent dieser Finanzierung voraussichtlich aus privaten Quellen stammen, wobei die öffentlichen Behörden Unterstützung leisten, anstatt die Hauptlast der Finanzen zu tragen.

Im Jahr 2026 wird die Schweizerische Bundesregierung ein formelles Konsultationsverfahren einleiten. Dem folgt eine grundlegende Planungsentscheidung und eine parlamentarische Debatte. Das IOC wird die Winterspiele 2038 voraussichtlich 2027 vergeben.

Eine Rückkehr nach neun Jahrzehnten

Die Schweiz hat die Olympischen Spiele bereits zweimal ausgerichtet, beide Male in St. Moritz, 1928 und 1948. Eine starke Bewerbung aus Sion scheiterte 2006 und unterlag Turin. Seitdem ist die öffentliche Skepsis gegenüber Grosssportveranstaltungen gewachsen – was den dezentralisierten, kostenbewussten Ansatz der Schweiz 2038 entscheidend für ihre politische Umsetzbarkeit macht.

Ob das landesweite Konzept sowohl die Schweizer Stimmberechtigten als auch das IOC überzeugen wird, bleibt abzuwarten. Doch sollte es genehmigt werden, könnten die Olympischen Winterspiele 2038 die Art und Weise neu definieren, wie die Spiele ausgerichtet werden – sie von einem stadtbasierten Spektakel in ein wahrhaft nationales Ereignis verwandeln.

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